Huber meint nicht, dass die Vernunft eindeutig auf Gott verweise – wie es Papst Benedikt in seiner Regensburger Vorlesung postulierte. Das Erfahrungswissen tauge nicht für die Erkenntnis Gottes, so Huber: Der Glaube sei eine Einstellung zur Wirklichkeit, die allem Wissen vorausginge:
"Es handelt sich um eine im Vertrauen zu Gott begründete Daseinsgewissheit, der, obwohl sie nicht im Wissen aufgeht, für den Umgang mit allem Wissen eine orientierende Bedeutung zukommt. Es ist ein gravierendes Missverständnis, den Glauben, weil er den Bereich des Wissens überschreitet, für irrational zu erklären oder in einer Kammer des bloßen Fühlens und Meinens einzusperren."
Natürlich ist eine „Daseinsgewissheit“ mehr als „Fühlen und Meinen“ – aber ist diese Daseinsgewissheit letztlich nicht doch zusammengesetzt aus ganz viel verdichtetem „Fühlen und Meinen“? Huber benennt – absichtlich oder nicht – das dünne Eis, auf dem der Glaube steht.